Arbeitszeugnis verfassen

Vollste oder volle Zufriedenheit – Ist das entscheidend? Aber ja! Hinter ähnlichen oder netten Formulierungen verstecken sich oftmals schlechte Beurteilungen.


Was versteckt sich hinter den Formulierungen im Arbeitszeugnis?

„Frau Schulze arbeitete sehr genau und erledigte Ihre Aufgaben ordnungsgemäß." Klingt gut, denken Sie? Heißt im Klartext: Frau Schulze arbeitete uneffektiv und bürokratisch. "Herr Meier praktizierte einen kooperativen Führungsstil und war deshalb von seinen Mitarbeitern sehr geschätzt." Sie denken, das bedeutet, Herr Meyer war ein verständnisvoller und geschätzter Vorgesetzter? Mitnichten. Das heißt nichts anderes, dass Herr Meier sich nicht durchsetzen kann. „Hr. Koch koordinierte die Arbeit seiner Mitarbeiter und gab klare Anweisungen.“ Hört sich nach starken Fähigkeiten im Bereich Führung an. Bedeutet aber nichts anderes, dass er sich auf Anweisen und Delegieren beschränkte.


Haben Sie ein Recht auf ein „wohlwollendes“ Arbeitszeugnis?

Jeder Mitarbeiter hat ein Recht auf ein "wohlwollendes" Zeugnis. Ein schlechtes Zeugnis könnte ihm schließlich seine Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz verbauen. Die Arbeitgeber haben deshalb eine Geheimsprache entwickelt, mit der sie Kritik in scheinbar harmlose Formulierungen verpacken. Sie nehmen dabei sogar in Kauf, dass Wendungen wie zum Beispiel "vollste Zufriedenheit" grammatikalisch falsch sind oder durch altmodische Wörter wie "stets" künstlich aufgeplustert werden.


Welche Standards sollte ein qualifiziertes Arbeitszeugnis beinhalten?

Persönliche Daten und Dauer der Beschäftigung sind selbstverständlich. Außerdem sollte detailliert beschrieben werden, für welche Position der Arbeitnehmer eingestellt wurde, ob er im Laufe seiner Tätigkeit andere Positionen übernommen hat sowie alle Aufgaben, die zu seinem Verantwortungsbereich gehört haben.

Ein weiterer wichtiger Abschnitt ist die Leistungsbeurteilung, die Fachwissen, Einsatzbereitschaft, Arbeitsweise und Resultate detailliert benennt und beurteilt. Auch das Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Kollegen und Kunden muss in dieser Beurteilung enthalten bewertet werden.

Einer besonderen Bedeutung gilt der Schlussformel, die Angaben zur Beendigung der Zusammenarbeit und eine Dankes- und Bedauernsformel plus positive Zukunftswünsche für den Arbeitnehmer enthalten sollte.

Arbeitnehmer sollten genau darauf achten, dass keiner dieser Punkte "vergessen" wird. Fehlt einer dieser Standards, ist dies für künftige Arbeitgeber ein starkes Warnsignal.


Welche Gesamtnoten werden für Mitarbeiter üblicherweise verwendet?

Und auch die Gesamtbeurteilung, die wohl wichtigste Aussage im Arbeitszeugnis, enthält für Laien ungewöhnliche Formulierungen. Diese schwanken zwischen „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit“ für eine Note „sehr gut“, bis "stets zu unserer Zufriedenheit / zu unserer vollen Zufriedenheit"“ als die Note „befriedigend“. Prüfen Sie genau, welche Formulierungen Ihr Arbeitgeber verwendet. Die Übersetzung in Schulnoten ist für Profis einfach:

  • "Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" - – sehr gut
  • "Stets zu unserer vollen Zufriedenheit" - – gut
  • "Stets zu unserer Zufriedenheit / zu unserer vollen Zufriedenheit" - – befriedigend
  • "Zu unserer Zufriedenheit" - – ausreichend
  • "Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" - – mangelhaft
  • "Zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht" - – ungenügend

Welche Bedeutung hat die Schlussformulierung?

Die zwei bis drei Schlusssätze im Arbeitszeugnis fassen heute oft die gesamte Bewertung über einen Mitarbeiter zusammen. Diese Sätze zu lesen, reicht bei einem fachgerecht formulierten Zeugnis aus, um die Gesamtbewertung zu erkennen. Zusätzliche Erkenntnisse lassen sich nur aus der Tätigkeitsbeschreibung und bei gut geschriebenen Zeugnissen aus dem Hinweis in der Bewertung, warum das Urteil nicht so günstig ausfiel, erkennen.

„Herr Müller verlässt uns auf eigenen Wunsch. Wir bedauern es sehr ihn zu verlieren und danken für die stets gute Mitarbeit. Wir wünschen ihm für die Zukunft weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“ Hierbei handelt es sich um die Standardformulierung der Note 2.

Doch was können Sie tun, wenn Sie die eine oder andere ungünstige Formulierung finden oder mit der Gesamtbeurteilung unzufrieden sind? Die gute Nachricht ist, dass Sie einen Anspruch auf die Berichtigung Ihres Arbeitszeugnisses haben. Nehmen Sie so schnell wie möglich den Kontakt zum (ehemaligen) Arbeitgeber auf und unterbreiten Sie ihm Ihre Änderungswünsche. Wenn sich diese rechtfertigen lassen und in, aus der Sicht des Arbeitgebers, einem akzeptablen Rahmen bewegen, werden solche Wünsche meist ohne Probleme ausgeführt.

Unser Tipp: Da ein Streit meist auf ein durchschnittliches Zeugnis hinausläuft, sollten Sie Formulierungen anbieten, mit denen Sie und Ihr Arbeitgeber leben können. Hier können wir Sie mit unseren erfahrenen Experten unterstützen.

 
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